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„Betroffene hören – Missbrauch verhindern“

Aktuelle Informationen zum Stand der Umsetzung
„Betroffene hören – Missbrauch verhindern“
„Betroffene hören – Missbrauch verhindern“
© R. Malorny/Haus am Dom

Im Juni 2020 wurden in der Paulskirche in Frankfurt die Ergebnisse des Projekts „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ vorgestellt und an die Auftraggeber des Projekts, Bischof Dr. Georg Bätzing und Ingeborg Schillai (Präsidentin der Diözesanversammlung) übergeben. Gleichzeitig wurde ein Implementierungsplan überreicht, der rund 60 konkrete Maßnahmen für das Bistum Limburg benennt. Im Oktober 2020 ernannte Bischof Dr. Georg Bätzing DDr. Caspar Söling zum Bischöflichen Beauftragten für die Implementierung der MHG-Projektergebnisse. Bis Herbst 2023 sollen unter seiner Leitung die rund 60 Maßnahmen im Bistum Limburg umgesetzt werden.

Der Bischöfliche Beauftragte ist gegenüber der Unabhängigen Kommission berichtspflichtig. Darüber hinaus soll der Betroffenenbeirat sicherstellen, dass bei allen für sie relevanten Fragen die Betroffenenperspektive gehört wird.

Aus den über 400 Seiten Projektdokumentation der 70 Expertinnen und Experten entstand ein Implementierungsplan, der rund 60 Maßnahmen detailliert beschreibt und verortet. In der Tabelle ist neben der Maßnahme selbst auch benannt, wie das Ziel erreicht werden soll, wer dafür verantwortlich sein sollte und wie die zeitliche Umsetzung erfolgen könnte.

Implementierungsplan Stand 2021

Mit Start der Implementierung gab es an einzelnen Stellen redaktionelle Änderungen zu dem ursprünglichen Implementierungsplan aus der Paulskirche. Eine wichtige Veränderung ist die Anpassung der Nummerierung, sodass jede Maßnahme über eine eindeutige und nachvollziehbare Nummer verfügt. Dies war im ursprünglichen Implementierungsplan nicht konsequent gegeben.

Eine Übersicht der genannten redaktionellen Überarbeitungen finden Sie hier:

2.1.1 Sexualmoral „Verheimlichung“ verantw. Bischof--> 2.1.1.1
2.1 Sexualmoral „Verheimlichung“ verantw. Generalvikar --> 2.1.1.2
2.1 Sexualmoral „Verheimlichung“ verantw. Pastorale Dienste--> 2.1.1.3
2.2.1 Gleichberechtigung           --> 2.2.1 Gleichberechtigter Zugang
3.1.2.2 Klerikalistische Strukturen in der Liturgie überwinden   --> 3.1.2
3.2.1.2 Doppelspitzen in Leitungsämtern auf allen Ebenen (…) --> 3.2.1.3
3.2.1.3 Gegen Doppelmoral      --> Postklerikalistisch
3.3.4.3 Supervision für Priester--> 3.3.4.4 

 

Um die Maßnahmen im Bistum umzusetzen, wurden sie entsprechend ihrer Inhalte in insgesamt acht Roadmaps eingearbeitet. Die Unterteilung erfolgte nach den Zuständigkeiten der Dezernate Personal, Pastorale Dienste, Kinder / Jugend und Familie, sowie des Bischofs, Generalvikars und Transformationsprogramm, Kirchenentwicklung und Diözesancaritasverband.

In den Roadmaps sind die Zeiträume und Verantwortlichen für die jeweilige Implementierung benannt. Diese Roadmaps sind Ausgangspunkt für die Implementierungsaufträge. Erst bei deren Erarbeitung können die endgültigen Zeitfenster definiert werden.

Roadmaps: Gesamtübersicht

Roadmap Bischof: Bischof Dr. Georg Bätzing

Roadmap Diözesancaritasverband: Diözesancaritasdirektor Klärner

Roadmap Generalvikar: Generalvikar Wolfgang Rösch

Roadmap Kinder, Jugend und Familie: Dezernentin Dr. Beate Gilles

Roadmap Kirchenentwicklung: Regens Dr. Christof May (Bischofsvikar für die Kirchenentwicklung) und Juliane Schlaud-Wolf (Bischöfliche Beauftragte für Kirchenentwicklung)

Roadmap Pastorale Dienste: Dezernentin Prof. Wustmans

Roadmap Personal: Dezernent Domkapitular Franz

Roadmap Transformationsprogramm: Johannes Weuthen (interne Programmleitung Transformationsprogramm) 

Am Ende eines jeden Quartals wird der aktuelle Stand der Implementierungen in einem Quartalsbericht erfasst. Mit einem Ampelsystem wird transparent und übersichtlich dargestellt, ob die Arbeit im Zeitplan verläuft. Ist dies nicht der Fall, wird dies in einem Kommentar erläutert.

Grün: Quartalsziel erreicht
Gelb: Quartalsziel nicht erreicht
Rot: Quartalsziel wiederholt nicht erreicht

Der nächste Quartalsbericht folgt am 5. November 2021.

Hier sind monatlich neue Kurzinterviews mit Verantwortlichen aus dem Implementierungsprozess zu lesen.

Nachgefragt

Bei „Nachgefragt“ berichten die Verantwortungsträgerinnen und –träger über ihre Rolle und Arbeit im Implementierungsprozess.

Wie sind Sie an der Implementierung beteiligt?

Mit Frau Dr. Suharjanto darf ich das Teilprojekt „Theologie angesichts des Missbrauchs“ leiten. Vor dem Hintergrund der Theologie untersuchen wir in den nächsten zwei Jahren sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche. Denn schon jetzt zeigen die Ergebnisse der MHG-Studie u.a., dass Kirchenbilder Machtkonstellationen erzeugen können, die eine bedeutende Ursache des sexuellen Missbrauchs sind. So wollen wir in diesem Teilprojekt die theologischen Motive klerikaler Identitätskonstruktionen offenlegen, hinterfragen und den theologischen Kern neu auslegen. Die Auseinandersetzung soll dabei sowohl im Blick auf Opfer geschehen, aber auch um die Täterinnen und Täter sowie Dulderinnen und Dulder erweitert werden, mit dem Ziel, Muster zu entziffern und der Frage zuführen, wie sich angesichts des sexuellen und spirituellen Missbrauch die Theologie selbst zu verändern hat.

Welche Wirkungen haben die Ergebnisse für die Betroffenen?

Die Betroffenen merken hoffentlich, dass wir an den inhaltlichen Kern herangehen – die Theologie. Diese hat viel zu lange geschwiegen. Jetzt geht es darum, vor dem Hintergrund des grausigen Wissens, was mit Theologie legitimiert werden kann, diese umzuschreiben und neu sprachfähig zu machen. Unsere Arbeit ist dabei natürlich nur ein kleiner Baustein, vieles wird an den Fakultäten, in den Ausbildungen und in der Erwachsenenbildung zu verfolgen sein. Wir wollen aber einen Auftakt setzen.

Welche Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bistum erwarten Sie?

Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit Machtasymmetrien reduzieren und falscher Idealisierung sakramental aufgeladener Lebensentwürfe konstruktiv-kritisch entgegenwirken können. Christliche Theologie angesichts des Missbrauchs zu treiben bedeutet, die Erfahrungen von Betroffenen durchgreifend werden zu lassen sowie den Umgang mit Schuld und Versöhnung zu thematisieren und zu kultivieren. Und das hat dann hoffentlich auch positive Effekte mit Blick auf das allgemeine Priestertum, es soll gestärkt werden.

1. Wie sind Sie an der Implementierung beteiligt?
Aus der Roadmap sind fünf Aufgaben meinem Verantwortungsbereich, dem Dezernat Kinder, Jugend und Familie, zugeordnet. Dabei haben nicht alle Aufgaben in dem MHG Projekt allein ihren Ursprung, sondern sind z.T. schon länger in Arbeit. Die Arbeit an der Gleichstellungsordnung (2.2.3) ist eine Maßnahme, die von der Projektgruppe „Frauen und Kirche“, die der Diözesansynodalrat in seiner letzten Amtszeit initiiert hat, auf den Weg gebracht worden ist und ein erster Entwurf konnte schon im letzten Jahr beraten werden. Für den Sommer ist der Beschluss der überarbeiteten Fassung der Gleichstellungsordnung vorgesehen und die Einrichtung der Stelle einer Gleichstellungsbeauftragung ist im Anschluss dafür vorgesehen. In diesem Jahr hat die Arbeit an dem Thema Sexualpädagogische Kompetenz in der Pastoral begonnen (2.5.1), die Verbesserung der Sexualpädagogik für Kinder und Jugendliche (2.5.2) schließt daran nächstes Jahr an. Das Thema Gemeindearbeit aus Kinderperspektive bewerten (1.6) wird als MHG Maßnahme erst 2022 starten; die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist aber natürlich eine Perspektive, die in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und insbesondere in der Jugendverbandsarbeit schon immer einen hohen Stellenwert hat.  

2. Welche Wirkungen haben die Ergebnisse für die Betroffenen?
Insbesondere die Vertuschung von Missbrauch kam dadurch zustande, dass es geschlossene Männerkreise gab. Die Gleichstellungsordnung ist ein wichtiger Baustein, diese einseitigen Konstellationen zu verhindern. Ein zweiter wesentlicher Faktor bestand und besteht darin, dass die Bedürfnisse, Dynamiken und Grenzen menschlicher Sexualität insbesondere in kirchlichen Kreisen tabuisiert wurden. Nun arbeiten wir an einem umfassenderen Verständnis von Sexualität  und daran, wie diese Themen angemessen kommuniziert werden können. Das ist immer eine Gradwanderung. Gerade weil wir heute in einer auf der Bildebene sexualisierten Gesellschaft leben, ist es wichtig, die Beziehungsdimension der Sexualität herauszustellen. Damit wird auch schneller erkennbar, wo diese Dimension verlassen wird und der Missbrauch beginnt. Alle diese Themen nehmen die Zukunft in den Blick; das ist meines Erachtens eine wichtige Perspektive, da wir damit zum Ausdruck bringen, dass Missbrauch nicht allein ein Thema der Aufarbeitung der Vergangenheit ist. 

3. Welche Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bistum erwarten Sie?
Alle Beteiligten in der Kinder- und Jugendarbeit unterstützen junge Menschen auf ihrem Weg; die Ergebnisse der MHG Studie haben uns gezeigt, dass das Themenspektrum sich dabei z.B. um sexualpädagogische Perspektiven erweitern muss, um Kinder und Jugendliche stark zu machen. Die Gleichstellungsordnung und die zugrunde liegende Analyse sensibilisiert alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Machtkonstellationen in den eigenen Strukturen und verpflichtet uns zu konkreten Maßnahmen, um diese in Zukunft geschlechtergerechter zu gestalten. Es freut mich sehr, dass wir diesen Schritt der Selbstverpflichtung gehen. Es ist auch vorgesehen, dass es ein paritätisch besetztes Gleichstellungsteam geben wird und damit konkrete Ansprechpartnerinnen und -partner für alle Kolleginnen und Kollegen. Die Frage, wie ein solches Team besetzt wird und das Gespräch um Doppelspitzen fördert die Auseinandersetzung mit dem Thema Leitungsverantwortung, die auf allen Ebenen wichtig ist. 

1. Wie sind Sie an der Implementierung beteiligt?
Ich bin nominell für elf Maßnahmen verantwortlich. Bei fünf Maßnahmen ist die Umsetzung bereits gestartet. So konnten wir die Stelle einer Fachkraft für Kommunikation einrichten, mit dem Aufbau eines Beschwerdemanagements beginnen und die Interventionsordnung fortschreiben, was drei Maßnahmen betrifft. 
Gemeinsam mit dem Bischof habe ich aber auch Verantwortung für die gesamte Implementierung. Ich sehe in der Umsetzung die große Chance zu wirklichen Veränderungen und zu einer neuen Kultur zu kommen. Ich spüre, wie alle Verantwortlichen und alle Mitarbeitenden an einem Strang ziehen, um die Umsetzung voranzubringen. Das freut mich sehr. Das Projekt wird sehr ernst genommen und durch die Arbeit der 70 Expertinnen und Experten sind viele blinde Flecken in unseren Strukturen sichtbar gemacht worden, die wir nun beleuchten und verändern können.

2. Welche Wirkungen haben die Ergebnisse für die Betroffenen?
Ich wünsche mir, dass Betroffene durch unser entschiedenes Handeln sehen, dass wir gelernt haben und wirkliche Veränderung wollen. Das geht nur durch eine kritische und externe Begleitung. Wir schaffen es nicht alleine. Wir wollen uns diesem Thema wirklich stellen. Wir brauchen eine neue Kultur. Betroffene sollen spüren, dass wir sie ernst nehmen und ihnen zuhören. Eine zentrale Überschrift bei der Umsetzung heißt „Mit den Menschen“. Deswegen werden wir systematisch auf Betroffene zugehen und niedrigschwellige Zugänge für sie schaffen. Wir überarbeiten die Interventionsordnung. Ein Ziel ist es, die Verfahren für Betroffene einfacher und verbindlicher zu machen. Das ist wichtig.

3. Welche Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums erwarten Sie?
Bei den Maßnahmen geht es auch darum Machtmissbrauch zu verhindern. Ein systematisches, transparentes und gut etabliertes Beschwerdemanagement ist hier ein wichtiges Instrument der Verhinderung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen dadurch organisatorische Klarheit und nötige Orientierung. Mir ist es zudem wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Implementierung nicht als zusätzliche Aufgabe oder gar als Belastung empfinden, sondern spüren, dass eine veränderte Kultur uns zum Guten führt.  
 

Werkstattgespräche

Die „Werkstattgespräche“ geben Einblick in die konkrete Arbeit der Implementierungsverantwortlichen.

Professor Dr. Peter Platen ist Leiter der Abteilung "Kirchliches Recht" im Bistum Limburg. Er lehrt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 

An welcher Maßnahme arbeiten Sie aktuell und in welchem Zusammenhang steht das mit Ihrer sonstigen Tätigkeit?
Die Einführung eines für jeden zugänglichen Beschwerdemanagements und –verfahrens auf der Grundlage einer Beschwerdeordnung gehört zu den Maßnahmen, die bei der Vorstellung der Ergebnisse des Bistums-MHG-Projektes „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ meiner Erinnerung nach in der Berichterstattung fast immer als besonders wichtig und plausibel benannt wurden. Im Zusammenhang des genannten Projektes wurde bereits ein detaillierter Entwurf einer solchen Beschwerdeordnung formuliert wie auch konkrete Überlegungen zur Implementierung eines darauf basierenden Beschwerdemanagements. Insofern es hierbei um den Erlass von partikularem Kirchenrecht geht, ist es sicher naheliegend, dass ich als in der Bistumsverwaltung tätiger Kirchenrechtler als Implementierungsverantwortlicher benannt wurde. 

Auf welche Herausforderungen stoßen Sie? Und welche Lösungen finden Sie?
Aktuell befasst sich der Hauptausschuss Recht des Diözesansynodalrates mit dem vorgelegten Ordnungsentwurf. Hierbei werden auch die gegenwärtige Praxis des Bistums Limburg im Umgang mit Beschwerden nach Maßgabe der bereits im Jahre 1997 aufgestellten Beschwerdeordnung wie auch die „Schnittstellen“ der vorgesehenen neuen Beschwerdeordnung zu verschiedenen anderen Regelwerken genau in den Blick genommen. Dieses Gremium besitzt nach meiner Einschätzung eine große fachliche Expertise, gerade auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht. Schließlich geht es darum, dass die vorgeschlagenen Regelungen auch in Praxis gut zu handhaben sind und sich widerspruchsfrei anwenden lassen. Dankbar bin ich auch, dass auch Professor Dr. Thomas Meckel und Herr Vincent Jünger, beide Hochschule Sankt Georgen, die beiden maßgeblichen Autoren des Ordnungsentwurfes, wie auch mein kirchenrechtlicher Kollege Thomas Schön, der seit vielen Jahren als Mitarbeiter des Generalvikars mit der Praxis des geltenden Beschwerdeverfahrens befasst ist, bei der Implementierung dieses Vorhabens mitwirken. 

Welche Effekte hat das Ergebnis für die Betroffenen?
Ich bin davon überzeugt, dass die Formulierung im entsprechenden Implementierungsauftrag zutreffend ist. Dort heißt es: „Sexueller Missbrauch fängt immer im Kleinen mit dem Missbrauch von Macht an. Durch ein Beschwerdemanagement wird bereits in den Anfängen eingegriffen. Zudem wird die Rechtskultur im Bistum gefördert, da bereits die Möglichkeit einer Beschwerde die Praxis verändern kann.“

Kontakt: 

Implementierung der MHG-Projektergebnisse „Betroffene hören- Missbrauch verhindern“

Bischöflicher Beauftragter: Dr. Caspar Söling
Referentin: Anna Sauer
Sekretariat: Sabine Trabusch

Telefon: 06431 295 736
Mail: I-MHG@bistumbistumlimburglimburg.de

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